banner_grau.gif

Markt-Apotheke

  • Apothekerin Katja Waidelich e.Kfr.
  • Hauptstr. 1
  • 73061 Ebersbach

UV? Radioaktiv? Wann Strahlung schadet – oder nützt

Es gibt natürliche, ionisierende, Alpha-, Beta-, Gamma- und elektromagnetische Strahlung. Welche Strahlen gefährlich sind und welche in der Medizin Nutzen bringen
von Sandra Schmid, aktualisiert am 26.04.2016

Ob UV, elektromagnetisch oder kosmisch: Strahlen umgeben uns praktisch überall

istock/FrankOppermann

Am 26. April 1986 ereignete sich der Reaktorunfall von Tschernobyl. Das Reaktorunglück von Fukushima war am 11. März 2011. Nach solchen Ereignissen spricht die ganze Welt von der unsichtbaren, aber trotzdem gegenwärtigen Gefahr: der bedrohlichen radioaktiven Strahlung und den damit verbundenen gesundheitlichen Risiken.

Wir sind den unterschiedlichsten Strahlen ausgesetzt – vom Menschen künstlich erzeugten Strahlen, aber auch natürlichen, denen wir praktisch nicht entkommen können. "Grundsätzlich", erklärt Florian Emrich, Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter, "bedeutet Strahlung die Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen oder Teilchen durch Raum und Materie. Man kann zwischen zwei Arten von Strahlung unterscheiden: der ionisierenden und der nichtionisierenden Strahlung."

Beispiel Röntgen: Ionisierende Strahlung

Wenn man nun – wie in diesen Tagen vermehrt – von radioaktiver Strahlung spricht, ist dies wissenschaftlich eigentlich nicht ganz korrekt. Denn radioaktiv sind lediglich die Atome im Kern, die bei der Kernumwandlung energiereiche Strahlung aussenden. Da diese Strahlung im Stande ist, Atome und Moleküle elektrisch "aufzuladen", nennt man sie – wissenschaftlich korrekt – ionisierende Strahlung.

Unter anderem gehören Alpha- oder Betastrahlen, die bei einem Reaktorunfall durch die Zersetzung von radioaktiven Partikeln entstehen, aber auch elektromagnetische Röntgen- und Gammastrahlen in die Gruppe der ionisierenden Strahlung. Wenn nun diese ionisierende Strahlung in den Körper eindringt, gibt es eine Wechselwirkung zwischen den Strahlen und den Molekülen des Körpergewebes. "Die Wirkungsmechanismen sind sehr unterschiedlich," erklärt Emrich. Was sie gemeinsam haben: "Ionisierende Strahlung kann Zellen schädigen. Wenn man zu viel Strahlung – Alpha-, Beta-, Gamma- und Neutronenstrahlung – ausgesetzt wird, kann es sein, dass der Körper nicht mehr in der Lage ist, die Zellschäden zu reparieren. Und daraus kann Krebs entstehen." Was diese Strahlung unter anderem so gefährlich mache, sei laut Emrich der fehlende Schwellenwert. "Es gibt keinen Wert, unterhalb dessen die Strahlung unschädlich ist. Man muss also davon ausgehen, dass jede Strahlenbelastung ein Risiko beinhaltet." Deswegen gelte das eherne Gesetz im Strahlenschutz: Der Kontakt zu Strahlung sollte immer minimiert werden. 

Natürliche Strahlung im Alltag

Radioaktive Stoffe und ionisierende Strahlung gibt es auch im Alltag. Sie kommt zum Beispiel in Böden, in Steinen, in Baumaterialien oder in der Luft vor. "Neben der kosmischen Strahlung aus dem Weltall ist man im täglichen Leben unter anderem auch der Strahlung des natürlichen Edelgases Radon ausgesetzt, welches aus dem Boden und vor allem aus zerklüfteten Steinen aufsteigt", sagt Emrich. Demzufolge gelangen radioaktive Stoffe auch durch den Genuss von Lebensmittel oder durch das Einatmen von Luft in unseren Körper.

Die Radioaktivität, die in Deutschland in der Luft liegt, wird ständig gemessen und überwacht. Dabei werden künstlich erzeugte und natürliche Strahlenbelastung unterschieden. Die Messwerte der natürlichen Strahlung liegen um einiges höher als die der künstlich erzeugten Strahlung. Eine reelle gesundheitliche Gefährdung für den Menschen ist bei den meisten vorkommenden Werten allerdings nicht zu erwarten. Eine Ausnahme kann das Edelgas Radon darstellen, dessen Werte in den Regionen Deutschlands sehr unterschiedlich sind. "Natürlich vorkommendes Radon ist die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs nach dem Rauchen", so Emrich. In manchen Regionen kann die Radonbelastung in Häusern sehr hohe Werte einnehmen. Hier helfen so genannte Radonmessungen, diese zu identifizieren und bei Bedarf entsprechende Maßnahmen – zum Beispiel Abdichtung oder regelmäßiges Lüften – um die Belastung durch Radon zu reduzieren.

Optische Strahlung

Einen besonderen Stellenwert nimmt die optische Strahlung ein, erklärt der Experte vom Strahlenschutzamt. Sie kann sowohl zur Gruppe der ionisierenden als auch zu der nichtionisierenden Strahlung zählen: Ultraviolette Strahlung (UV) gehört meist zu den ionisierenden Strahlen, manche Wellenlängen aber eben auch zu den nichtionisierenden. Die Infrarotstrahlung zählt zur nichtionisierenden Strahlung. Sie versprechen Segen und Fluch zugleich – Wärmequelle, die Vitamin D-Produktion ankurbelnd, aber auch Hautschädiger und im schlimmsten Fall Hautkrebsrisiko steigernd kann Sonnenlicht sein. Durch UV-Lampen, Solarien oder Heizstrahler können diese Strahlen teilweise auch künstlich erzeugt werden. Der BfS-Experte rät dringend vom Besuch von Solarien ab: "Für die positiven Effekte der UV-Strahlung reicht die Sonne völlig aus, selbst im Winter."

Künstliche Strahlen

Elektrische und magnetische Felder gehören ebenfalls zum nichtionisierenden Spektrum. Diese treten eigentlich überall auf, wo elektrische Maschinen oder Geräte in Betrieb sind – im Haushalt, in der Arbeit, auf der Straße, eigentlich an fast jedem Ort. Niederfrequente  oder statische elektrische und magnetische Felder – wie beispielsweise durch Fernseher oder Haushaltsgeräte erzeugt – "haben so geringe Werte, dass eine Gesundheitsgefahr nahezu auszuschließen ist", versichert Emrich.

Gut zu wissen: Je weiter man die Geräte von sich weg hält, umso geringer die Belastung. Die Feldstärke nimmt nämlich mit jedem Zentimeter, den man vom Gerät entfernt ist, ab. Der Tipp vom Experten: Elektrische Geräte wie Föne immer auf Abstand halten – mindestens 30 Zentimeter vom Körper entfernt. Andere Quellen, elektrisch oder magnetisch, welche ebenfalls statische oder niederfrequente Felder hervorrufen, sind zum Beispiel Gleichspannungsanlagen, Lautsprecheranlagen, Magnetschwebebahnen, Warensicherungsanlagen in Kaufhäusern oder auch – im medizinischen Bereich – Geräte zur Magnetfeldtherapie.

Handy & Co.

Hochfrequente elektromagnetische Felder werden in der Regel von Antennen abgegeben – jeder kennt diese Art von Übertragung aus dem Kommunikationsbereich: Mobilfunk, schnurlose Telefone, Wireless LAN, Babyphone oder Funk-Radiowecker basieren unter anderem auf diesem Prinzip der Informationsübermittlung. Aber auch Mikrowellenherde oder Radargeräte zählen dazu. Sendefunkanlagen, aber eben auch die Endgeräte selbst gelten als Ursprung hochfrequenter elektromagnetischer Felder. "Nach jetzigem Wissenstand gibt es unterhalb der Grenzwerte keine gesundheitlichen Auswirkungen. Aber in manchen Fragen wie etwa Langzeitwirkungen des Mobilfunks gibt es auf jeden Fall noch Forschungsbedarf. Im Alltag sollte man deshalb die Strahlenbelastung so gering wie möglich halten. Auch in diesem Bereich ist die Vorsorge enorm wichtig", verdeutlicht Emrich.

Das bedeutet beispielsweise beim Handygebrauch: Da sich gerade der Kopf in unmittelbarer Nähe der jeweiligen Antennen befindet, sollte man laut Emrich verstärkt auf gewisse Dinge achten, um die Strahlung beim Telefonieren mit dem Handy oder schnurlosen Telefon zu verringern: kurze Telefonate, wenn möglich Head-Sets benützen (Strahlenbelastung nimmt bei zunehmender Entfernung vom Gerät ab), strahlungsarme Telefongeräte nutzen, nicht bei schlechtem Empfang telefonieren. Auch bei Babyphonen oder Radioweckern ist es sinnvoll, Abstand zu halten.

Strahlung in der Medizin

Im medizinischen Bereich bedient man sich unterschiedlicher Arten von Strahlung. Die bekanntesten sind wohl die Röntgenstrahlen. Röntgenstrahlen zählen ebenso wie die Gammastrahlen zu den ionisierenden Strahlen.

Röntgenstrahlen lassen seit mehr als hundert Jahren einen Einblick ins Innere des menschlichen Körpers zu und sind damit eines der wichtigsten diagnostischen Hilfsmittel. Am häufigsten werden konventionelle Röntgenaufnahmen gemacht: Nur den Bruchteil einer Sekunde werden Röntgenstrahlen auf das entsprechende Körperteil gerichtet und durchleuchtet. Fazit: Kurzer Strahlenkontakt, relativ geringes Strahlenrisiko.

Im Vergleich dazu bekommen Patienten beispielsweise bei der Computertomographie (CT), einem Verfahren der Röntgendiagnostik, das den menschlichen Körper in Querschnittbildern zeigt, eine viel höhere Strahlendosis ab.

Im Durchschnitt lässt sich jeder Deutsche etwa 1,6 Mal im Jahr röntgen. Während zwar insgesamt in den letzten 15 Jahren die Röntgenuntersuchungen abnahmen, gibt es hingegen einen stetigen Anstieg der CT-Untersuchungen. Aufgrund der Zunahme der dosisintensiven CTs  stieg auch die effektive Strahlendosis in der Bevölkerung.

Gesundheitliche Schäden?

Wissenschaftlich gesicherte Kenntnisse, in welchem Ausmaße sich die Strahlenexposition gesundheitsschädlich auswirken kann, liegen nicht vor. Die Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP) geht "von einem linearen Zusammenhang zwischen Dosis und Wirkung ohne Schwellenwert aus. Das bedeutet: Auch bei niedrigen Dosen können Schäden nicht ausgeschlossen werden. Selbst kleinste Dosen haben ein – wenn auch geringeres – Risiko." Deswegen sollte man jede Untersuchung oder Therapie, bei der man sich einer Strahlenexposition aussetzt, genau mit dem Arzt zusammen abwägen.

Emrich vom Bundesamt für Strahlenschutz erklärt: "Der Arzt ist verpflichtet, sehr genau darauf zu achten, ob es eine rechtfertigende Indikation gibt." Das heißt: Der Nutzen durch die Untersuchung muss größer sein als das damit verbundene Strahlenrisiko. Wie die Deutsche Röntgen-Gesellschaft allerdings feststellen musste, ist etwa die Hälfte aller Röntgenaufnahmen in Deutschland überflüssig. Auch Emrich betont: "In Deutschland wird nach wie vor zu viel geröntgt." Mit einem sogenannten Röntgenpass, den es in Arztpraxen oder auch beim BfS gibt, könnten Patienten auch selbst darauf achten, dass unnötige Aufnahmen vermieden werden.

Therapeutische Strahlenanwendungen

Therapeutische Strahlenanwendungen nehmen immer mehr zu. Eingesetzt werden hierzu ebenfalls Röntgenstrahlen und Gammastrahlen sowie Elementarteilchen wie Elektronen oder Neutronen. Dabei werden vergleichsweise hohe Strahlendosen auf einen relativ kleinen Körperteil gezielt. Die Wirkung: Durch die Strahlen sollen zum Beispiel die krankhaft veränderten Körperzellen in einem Tumor vernichtet werden. Dosis und Dauer einer Strahlentherapie wird jeweils individuell festgelegt. Im Durchschnitt unterziehen sich in Deutschland jährlich 277.000 Patienten einer Strahlentherapie.

Ob also beim Arzt, beim Einkaufen im Supermarkt oder beim Tanzen in der Disko: wir sind tagtäglich der unsichtbaren und für uns so wenig greif- und kalkulierbar erscheinenden Kraft der Strahlen ausgesetzt. Denn, so weiß auch der Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz, "wir Menschen haben kein Sinnesorgan für Strahlung. Wir können sie nicht ohne weiteres schmecken, riechen oder fühlen."



Bildnachweis: istock/FrankOppermann

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Strahlen: Fluch und Segen

Frau hält sich Monitor mit Röntgenbild vor den Oberkörper

Was für Strahlen gibt es?

Strahlung ist nicht gleich Strahlung. Hier erfahren Sie, was sich alles hinter diesem Begriff verbirgt  »

Strahlen in der Medizin

Röntgenaufnahme vom Fuß

Röntgenuntersuchung

Mit Hilfe dieses bildgebenden Diagnose-Verfahrens lassen sich Veränderungen des Körpers beurteilen »

Vorsicht, UV-Strahlen!

Hautkrebs – Haut immer mehr in Gefahr

UV-Strahlung ist der wichtigste bekannte Risikofaktor bei der Entstehung von Hauttumoren »

Reaktorunfälle

Frau nimmt Tablette

Jod: Schutz vor radioaktiver Strahlung

Wie Kaliumjodidtabletten nach einem atomaren Unfall helfen können »

Aktuell: Der Super-GAU von Fukushima

Fukushima: Zwei Monate danach

Welche Folgen hat das AKW-Unglück? Ist es mit Tschernobyl vergleichbar? »

Haben Sie Schlafprobleme?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages